Rap wurde in den USA oft als CNN 2 der Schwarzen bezeichnet. Die Ghetto Bewohner konnten sich durch ihre Raps Gehör in der Öffentlichkeit schaffen.
In Deutschland war Rap nicht weniger ein gutes Mittel öffentliches Aufsehen zu erregen. Gerade junge Einwanderer konnte durch ihre Raps endlich mal sagen, wie es ihnen ging und was sie so sehr hier hassten. Für sie war Rap, genau wie in den Ghettos, die einzige Möglichkeit, der Welt zu erzählen wie ihr Leben wirklich aussah. Wie sie sich als Fremde im eigenen Land fühlten und dass sie trotzdem nicht aufgaben und weiter machten. Hip Hop überraschte sie total. Erst war nichts da, womit sie sich beschäftigen konnten und dann war da plötzlich Breakdance, Graffiti und eben Rap. Anstatt sich in irgendwelchen Hinterhöfen zu prügeln, trugen sie ihre Streitereien in Hip Hop- Battles aus, mit Breakdance und Rap.
Aber nicht nur die Unteren Schichten in Deutschland fanden Rap irgendwie faszinierend, auch bei anderen Jugendlichen fand diese weitere Hip Hop Disziplin großen Anklang. Gerade die Freestyles1 übten eine besonders große Faszination auf viele Jugendliche aus. Das sich da jemand auf die Bühne stellte oder sonst wohin, der Beat2 aufgelegt wurde und der Rapper einfach anfing eine Geschichte zu erzählen, war für viele sehr erstaunlich. Man versuchte sich selbst an eigenen Freestyles. Die Location dafür waren oftmals Jugendhäuser oder Kellerräume. Es wurden Boxen, Turntables und Mikrophone aufgestellt und schon konnte es losgehen. Ganz nach der alten Hip Hop Devise, aus Wenig, Viel machen. Anfangs wurde nur auf Englisch gerappt, ganz wie in New York. Einzig Torch (ein Old School Hip Hopper) reimte seine Freestyles schon auf Deutsch. Bis Anfang der Neunziger war Rap einfach auf Englisch. Manche Rapper verbesserten, dadurch, dass sie englische Texte schrieben ihre Schulnoten, so war also gar kein Grund vorhanden nur darüber nachzudenken auf Deutsch zu rappen. Auf irgendeiner Jam3 wurde dann mal auf Deutsch gerappt und plötzlich tat es jeder. So um diese Zeit, wurden dann die Fantastischen Vier berühmt, die immer wieder betonten, eine konsequent deutschsprachige Rap- Gruppe zu sein. Als wenn es wirklich wichtig wäre, auf welcher Sprache man rapt. Da nun viel auf Deutsch gerappt wurde, begann sich die Dichtkunst langsam wieder zu entwickeln. Am Anfang waren die Texte alle noch sehr unbeholfen zusammengereimt. Auch inhaltlich waren sie eher schlecht als recht. So rappten die Fantastischen Vier im Sommer 1991 „ wir sind die fantastischen vier/ und wir sind hier, mit jeder menge bier/ und viel fraun, die sind nicht abgehaun/ die sind hier, um sich unsere show anzuschaun….4“ Aber innerhalb von fünf bis sechs Jahren hatten gereimte Raps eine hohe dichterische Klasse erreicht. 1996 rappte Zentrifugal: „wenn ich meine/ eindrücke ausdrücke, wind ich mich in wendungen/ ich wende mich an windungen in meinem gehirn/ wenn dinge dank gedanken aus denen nichts enstehn…1“
Die Reimkunst wurde in dieser Zeit ganz neu und wieder entdeckt. Rapper fragen wenig, sie machen einfach, und dabei machen sie es meistens sehr gut, ohne es zu wissen und entdecken Dinge von ganz alleine wieder neu. Rapper fanden Reime nach denen frühere Dichter lange gesucht hatten, wie z. B. der Reim auf, Menschen- attention. So lösten sie Jahrhundert alte Reimprobleme und entdeckten so manch schwierigen Reim, der schon fast in Vergessenheit geraten war, wie den Schüttelreim: „In Reimes Hut, Geheimes ruht 2“. So entstand immer etwas Neues, das Hip Hop seit über zwanzig Jahren interessant und innovativ macht. Leider ist der Reim nun an einer Stelle angelangt, wo fast jeder Reim in einem Rap verwendet worden ist. Der Deutschreim in Raps ist ausgeschöpft. Es gab Zeiten, da wurde der gereimte Rap mit in die Alltagssprache eingebunden, auf die Frage: „Und was willst zu später mal werden?“ wurde ganz automatische geantwortet: „Der beste Rapper auf Erden.3“ Es gibt nichts Neues mehr was wieder entdeckt und verwendet werden kann. Klar, ein paar kleine Glückstreffer gibt es immer: „meinen kühlschrank, ich geb´s zu, den hab ich vom sperrmüll/ aber reime wie diesen schüttel ich ausm ärmel.4“ Das ist wohl einer der letzten. Es wird sich rum sprechen, dass es nicht mehr viel Neues gibt, das sich gut vermarkten lässt und dann wird es wieder spannend werden. Das ist der Traum Vieler, die von Anfang an dabei waren und die Entwicklung mitbekommen haben. Wenn es in den Raps nicht mehr nur um Hip Hop geht, sondern wieder Geschichten erzählt werden.
Ein großartiger Geschichten Erzähler in Deutschland ist Bastian Böttcher. Er hat durch einfaches Machen den Schüttelreim wieder entdeckt und ihn in seine Raps mit eingebaut. Er wird nicht nur als Rapper in Deutschland respektiert, sondern auch als Dichter, denn seine Raps wurden schon in einer Anzahl von Gedichtbänden abgedruckt. Das Goethe- Institut schickte ihn 1999 als Botschafter einer neuen, jungen deutschen Literatur, nach ganz Amerika und dort las er dann seine Raps vor. Überall ist das Publikum begeistert, von seinen Texten und der Art, wie er sie vorträgt. Erstaunlich eigentlich, denn die meisten können ihn auf Grund der deutschen Sprache überhaupt nicht verstehen.