Wann genau Hip Hop sich in den USA entwickelte, ist nicht wirklich auszumachen. Es begann einfach irgendwann mit einer dieser Blockpartys, die ein paar Jugendliche in der Bronx veranstalteten, weil sie kein Geld hatten, um Eintritt für die teuren Clubs zu zahlen. Man traf sich in einem der vielen Hinterhöfe, zapfte eine Straßenlaterne an, um an Strom zu kommen und schon begann einer die Platten aufzulegen, es wurde getanzt und gerappt. Wenn man nicht an Strom kam, imitierten die Beatboxer, die Beats eben mit dem Mund und schon konnten die Rapper los legen. Sie konnten anfangen ihre Geschichte zu erzählen und sich so Gehör verschaffen. Den Jugendlichen aus der Bronx schenkte bis dahin ja niemand Aufmerksamkeit, sie kamen nur in den Verbrechensstatistiken der Polizei vor. Durch ihre Raps konnten sie ihre Erlebnisse verarbeiten und der Öffentlichkeit wirklich erzählen, wie es in den Ghettos von New York, Brooklyn oder Queens war. Sie konnten versuchen, die Missverständnisse, die durch die Schreckensszenarien der Hollywood- Filme hervorgerufen wurden, zu beseitigen.
Da die Leute nicht von alleine zu Hip Hop kamen musste Hip Hop eben zu ihnen kommen. Die Jugendlichen machten mit großen Bildern (Graffiti), spektakulären, akrobatischen Bewegungen (Breakdance) und den wirklichen Geschichten der Ghettokids, (Raps die auf durchdringenden Beats basierten), auf sich aufmerksam.
So wurden natürlich auch die Medien auf diese neue Kultur Hip Hop aufmerksam und schnell hatte man die Leute gefunden, die dem entsprachen, was das Publikum sehen wollte, die Gangsta Rapper1. Die oft schwarzen Jugendlichen, die mit einer schamlosen Fuck- you Attitüde Sex, Gewalt und Drogenkonsum zelebrierten. Sie stellten gleichermaßen eine Faszination und etwas Erschreckendes dessen dar, was in den Medien und sonst auch überall der Inbegriff des Bösen war, das Ghetto. Aber grade dadurch war es ja so anziehend. Als die Popularität des Hip Hop Ende der 80 er Jahre immer mehr zunahm veröffentlichte der schwarze Rapper Ice T. seine erste Platte mit dem Titel Cop Killer. Mit diesen Song spielt Ice T. auf den Tod des Schwarzen Rodney King an, der von vier weißen Polizisten brutal zusammen geschlagen wurde und dann an den Folgen der Verletzungen starb. Die Polizisten wurden bei dieser Tat gefilmt, doch trotz dieses eindeutigen Beweises, bekamen sie keinerlei Bestrafung. Durch diese Single sahen plötzlich Eltern und Politiker Hip Hop als zu gefährlich an und als dann sogar Bill Clinton den Verkauf der CD stoppen wollte war die Medienpräsenz des Gangsta Raps auf dem Höchstpunkt angelangt. Diese Präsenz nutzten die Gangsta Rapper, um sich für immer einen Platz in den Medien zu sichern. Ice T. ruft mit diesem Song nicht dazu auf gegen die Polizei vorzugehen, er verurteilt lediglich die Schikanierungen, die man als Minderheit in diesem Staat zu spüren bekommt. Er übt öffentliche Kritik an den Regeln des Gesetzes. Ice T.´ s Cop Killer war das Sprungbrett zu allem was noch kommen sollte. Kurz nach Ice T.´ s Erfolg mit Cop Killer standen immer mehr Rapper vor Gericht, wegen Köperverletzung, Vergewaltigung oder Mord. Als dann auch noch 2Pac Shakur (Westcoast) und Biggi Smalls (Eastcoast) relativ schnell hintereinander ermordet wurden, wurde plötzlich überall von einem Krieg der Rapper, Eastcoast, gegen Westcoast, gesprochen. Das war dann wieder für viele Gegner des Hip Hop der eindeutige Beweis, das Hip Hop Gewalt verherrlichend ist und viele haben bis heute noch nicht verstanden, dass die Raps so aggressiv klingen um wirkliche Gewalt, handgreifliche Gewalt zu vermeiden. Das beste Beispiel dafür, ist Afrika Bambaataa. Er ist ein früheres Gangmitglied der Black Spades und brachte die Zulu- Nation in die Hip Hop Kultur mit ein. Afrika Bambaataa stieg aus seiner Gang aus, als er zusehen musste wie sein bester Freund vor seinen Augen von einer rivalisierenden Gang erschossen wurde. Er gründete die Zulu- Nation, die auf Drogenfreiheit, Gewaltfreiheit und gegenseitigem Respekt, basiert. Wenn sich also zwei prügeln wollte, wurde ein Kreis um sie gebildet und sie mussten ihren Streit in einem Hip Hop- Battle austragen. Der Gewinner bekam den nötigen Respekt gezollt und dass machte die Mitglieder dieser Nation stark. Die Zulu- Nation machte diesen alten Traum, dass Kultur einmal den Sieg davon trägt, wahr.
In New York und den anderen Ghettos von Amerika war Hip Hop für Jugendliche die einzige Möglichkeit, um nicht an den Schikanen ihres täglichen Lebens zu zerbrechen. In Hip Hop haben sie einen Ausgleich zu den täglichen Schwierigkeiten bekommen, indem die ihre Aggressionen abbauen konnten, indem sie Respekt bekamen, indem ihnen Aufmerksamkeit zu teil wurde und wo sie mal zeigen konnten was sie können.
Mit dem Knowledge Rap1 konnten sie ihre Geschichten, das was sie bewegte, erzählen, politische oder gesellschaftskritische Kritik üben, den Leuten draußen klar machen unter welchen Umständen man im Ghetto lebte. Während der Gangsta Rap die Sensationslust des Publikums stillt, ist der Knowledge Rap das, was im Hip Hop wirklich zählt. Man könnte es auch so beschreiben, Knowledge Rap ist die informative Tageszeitung, während Gangsta Rap eher einer Boulevard Zeitung gleicht. Und so wie es wohl immer eine Bild- Zeitung geben wird, bleibt uns der Gangsta Rap uns bestimmt noch über Jahre hinweg erhalten.