Madame Diallo

Das Gespräch führte ich mit Madame Apsatou Diop Diallo. Für mich war sie Madam Diallo, meine Gastmutter. Sie ist Mutter von fünf Töchtern zwischen 26 und 15 Jahren alt und einem kleinen Sohn, sieben Jahre alt ist. Madame Diallo war früher Biologie Lehrerin und leitet nun schon seit einigen Jahren das Lycée Ameth Fall de jeunes filles in St. –Louis, der zweit größten Stadt des Senegals. Ihr Mann wohnt und arbeitet in Dakar, der Hauptstadt und kommt in der Ferien und manchmal am Wochenende vorbei. Madame Diallo ist für mich eine sehr interessante Frau und sie konnte mir sehr viel über den afrikanischen Tanz und die afrikanische Mentalität überhaupt erzählen und beibringen.

Fragen zum afrikanischen Tanz:

1)Was bedeutet der afrikanische Tanz für Sie und für die afrikanischen Frauen im Allgemeinen.

Hier ist der afrikanische Tanz ein Teil der Tradition, mehr noch im Dorf als in der Stadt. Hier in der Stadt ist es alles schon etwas moderner und so, aber im Dorf spielt die Tradition noch eine sehr große und wichtige Rolle. Zum Dorfleben gehört der Tanz einfach dazu. Er ist überall dabei, ob bei Taufen, Hochzeiten oder anderen Festen. Der Tanz ist auch ein Zeichen der Gemeinschaft. Bei den Festen kommen alle Dorbewohner zusammen und tanzen, dies fördert die Gemeinschaft. Dabei ist es egal wer tanzt, ob jung oder weniger jung, jeder tanzt.

2)Warum lieben es alle zu tanzen?

So ist das hier. Das ist die Gewohnheit, die Einstellung der afrikanischen Menschen. Aber ich würde eher sagen, dass alles es lieben zu tanzen oder dem Tanz zu zusehen. Ich persönlich tanze z. B. nicht gerne, ich schaue viel lieber zu. Das Tanzen überlasse ich anderen. Es hat auch etwas mit den Kasten und Stämmen hier im Senegal zu tun. Ich komme aus einer höheren Kaste und mein Stamm, die Pular, sind nicht so bekannt dafür, dass sie viel und gut tanzen. Wir sind nicht so aktiv. Die Griots dagegen, die unterste Kaste hier, sind dafür bekannt wie gut sie tanzen und Trommel spielen können.

3)Gab es den afrikanischen Tanz schon immer oder hat er sich entwickelt?

Nein, ich würde sagen den afrikanischen Tanz gab es schon immer. Der erste Präsident des Senegals, Senghor, hatte einen treffenden Ausdruck für Afrika. Er sagte: „Die Bewegung der Schwarzen ist Tanz, Afrika ist Tanz und Bewegung“. Europa dagegen ist dafür bekannt, dass sie viel arbeiten und eher Denker sind.

4)Ist afrikanischer Tanz ein Mittel gegen die Unterdrückung?

Ja, sicherlich. Tanzen befreit. Von Unterdrückung, Stress und anderen Faktoren. Tanzen ist eine sehr gute Form gegen Stress und Unterdrückung anzukämpfen.