Mir ist in Afrika aufgefallen, dass man sich durch das Tanzen Anerkennung verschaffen kann.
Ich habe in Afrika fünf Wochen mit einer Gruppe getanzt. Nicht den traditionellen Tanz, sondern eine afrikanische Choreographie. Für mich war es ungeheuer schwer, da die Bewegungen völlig neu und unbekannt waren und ich anfangs auch Probleme hatte, mich wirklich auf den Rhythmus einzulassen. Es gab aber noch einen anderen Grund, der mir die Sache zusätzlich erschwerte, denn ich war natürlich diejenige über die sich Jeder lustig gemacht hat. Viele der Mädchen, die mitgetanzt haben, die Leute, die zugeschaut haben und mich zum ersten Mal gesehen haben und mein Tanzlehrer, der gleichzeitig auch getrommelt hat, haben über meine Art afrikanisch zu tanzen gelacht. Dazu kam noch, dass nicht nur mein Tanzlehrer, sondern auch viele der Mädchen eigentlich nur Wolof gesprochen haben und kein Französisch und ich so keine Chance hatte, irgendwelche Anweisungen und Änderungen zu verstehen.
Am Anfang war das natürlich besonders schwer, obwohl ich es ihnen auch nicht übel nehme, da ich mir sehr gut vorstellen kann, dass es zum Schreien komisch ausgesehen haben muss, wie ich manche Schritte versucht habe nachzuahmen.
Ich merkte aber auch, dass ich mit der Zeit immer besser wurde und, dass man auch nicht mehr über mich gelacht hat. Einmal kam sogar ein Mädchen zu mir und sagte, sie komme nur zu der Aufführung, um mich zu sehen. Später kam dann noch ein anderes Mädchen in die Gruppe und sie hatte auch leichte Probleme, obwohl sie Afrikanerin ist, auch über sie wurde gelacht und nicht mehr über mich.
Auch wenn ich nicht perfekt tanzte, merkte ich doch, dass man mich mehr respektierte, weil ich dazu gelernt hatte und man gesehen hatte, dass ich mir Mühe gab.
In St. –Louis gibt es genauso Discotheken wie hier, nur dass es dort z. B. Mittwochs und Sonntagsabends einen Soirée sénégalaise ( senegalesischer Abend) gab. Dann wurde erst senegalesische Popmusik gespielt, die natürlich heiß begehrt ist bei den Senegalesen. Gegen Mitternacht tritt dann eine Gruppe Trommler auf, die meistens aus Griots besteht, zu der die Mädchen dann tanzen können und zum Schluss kommt dann noch mal senegalesische Popmusik.
Ich war einmal auf einem Soirée senegalaise und als die Trommler auftraten, stellte sich ein Mann auf die Tanzfläche, der das Down- Syndrom hatte. Eine Freundin, die mich in die Disco begleitet hatte, flüsterte mir ins Ohr, dass der Mann sehr krank sei und ihn jeder für verrückt hielt. Er durfte aber tanzen und das machte er so gut, dass er ziemlich viel Applaus und viele aufmunternde Zurufe vom Publikum bekam. Trotz seiner Behinderung zollten die Zuschauer ihm den Respekt, den er für sein gutes Tanzen verdiente.