Die Griots gehören zu dem Stamm der Wolof. Die Wolof sind der größte Stamm der insgesamt zwanzig Stämme im Senegal. Für Europäer sind die Stämme kaum zu unterscheiden. Untereinander erkennen sie sich jedoch an kleinsten Unterschieden im Verhalten, Sprache, Gestik oder Umgangsformen. Sie verstehen sich jedoch über alle ethnischen Grenzen hinweg gut. Dabei hilft ihnen vor allem ihr Humor, denn über Familiennamen und –geschichten werden gerne Witze gemacht. Die Wolof sollen sich zwischen dem 12.- und 15. Jh. im Landesinneren niedergelassen haben, wo sie das Djolof- Reich gründeten. Sie sind als Erste begeistert zum Islam übergetreten. Bis heute sind fast alle Wolof Moslems. Das strenge, hierarchische Kastensystem der Wolof existiert immer noch, wenn auch in abgeschwächter Form. An der Spitze stehen die Geer (Edelleute) und die Badolo, die irgendwo zwischen freien Bauern und niederem Adel angesiedelt sind. Dann kommt der erbliche Handwerkerstand. Dazu gehören Schmiede, Schneider und die Griots. Ganz unten standen früher die Jaam – die Sklaven. An sich sind kastenübergreifende Ehen nicht erlaubt, sogar in der Stadt kommt es in manchen Familien noch zu Unstimmigkeiten, wenn ein Angehöriger in eine andere Kaste einheiraten will.
Die Sprache der Wolof heißt ebenfalls Wolof. Das Wolof ist eine Lautsprache, die 80% der Senegalesen sprechen können und die neben dem staatlich anerkannten Französisch, die am häufigsten gebrauchte Sprache ist. Im Senegal wird gerade versucht, Wolof als Staatssprache anerkennen zu lassen und dann z.B. auch als Unterrichtssprache einzuführen. Ich hatte in Afrika nur in der Schule eine wirkliche Chance Französisch zu hören, da sonst immer und überall Wolof gesprochen wurde, was mir das Verstehen um Einiges erschwerte.
Man versucht Wolof ebenfalls als neue Staatssprache durchzusetzen, weil sie dadurch in ihrer Schriftform festgelegt werden kann. Bis jetzt ist sie eine absolute Lautschrift. Wenn man z. B. drei verschiedenen Senegalesen ein und dasselbe Wort vorgibt und sie bittet, es einem aufzuschreiben, bekommt man drei Versionen, wie man es schreiben könnte. Sicher hat deshalb das gesprochene Wort sehr viel Macht in Afrika.
So werden Versprechen beispielsweise sehr ernst genommen. Es ist aber nicht so, dass Jeder das richtige Sprechen des Wortes beherrscht. In Afrika beherrscht die Kunst des gesprochenen Wortes vor allen Dingen ein Griot. Das gesprochene Wort ist ein wichtiges Element der Gesellschaft. Durch das überlieferte Wort kennt ein Stamm seine Geschichte, seine Philosophie und seine Überlebensstrategie. Das Wort festigt zwischenmenschliche Bindungen und das soziale Gleichgewicht.
Die Griots werden in Afrika malerisch die Sänger und Geschichtenerzähler genannt. Sie ziehen mit ihren Trommeln durch das Land und spielen auf Festen für die Menschen auf ihren Trommeln. Dabei erzählen oder singen sie Geschichten aus längst vergessenen Zeiten, tragen Volksweisheiten an die Menschen heran und tanzen für sie. Afrikanische Geschichte und Kultur sind fast nur mündlich überliefert worden. Früher kam es nicht selten vor, dass reiche Familien ihren eigenen Griot hatten, um ihre Familiengeschichte von Generation zu Generation weiterzuerzählen. Bis zum heutigen Tag werden Griots zu Familienfesten eingeladen, um den Frauen Lobesreden zu halten und zum Tanzen zu trommeln und zu animieren. Als Gegenleistung bekommen sie Geld.
Sie sind auch diejenigen, die bekannt dafür sind, dass sie gerne und viel in der Öffentlichkeit tanzen und trommeln. So kann man fast sicher sein, wenn man gute Tänzer und Trommler sieht, dass es sich um Griots handelt, denn auch in Afrika gibt es Stämme, wie die Pular, die ebenso wenig gerne tanzen, wie die Menschen anderer Völker.
Einige Griots brachten ihrer Begabung bis hin zur künstlerischen Perfektion. Bereits 1960 räumte die senegalesische Regierung unter Präsident Léopold Séndar Senghor, der Förderung der Kultur der verschiedenen Volksgruppen einen hohen Stellenwert ein. Ein senegalesisches Nationaltheater wurde gegründet. Senegals Théatre National Daniel Sorano sollte in erster Linie die traditionellen Musik- und Tanzformen erforschen und dem heutigen Publikum nahe bringen. Die Melodien und Tänze handeln vom alltäglichen Leben, von Frauen, die auf dem Feld arbeiten und Männern beim Hausbau, spielenden Kindern usw.. Das Théatre National wurde mit seinen temperamentvollen Performances weltberühmt.